Mein Blog, mein Haus, mein Viertel seit 2001.

April

Are you sitting comfortably? Then I´ll begin.

Keck!
Ich war beim Friseur und Muddern findet den Schnitt keck. Na toll.
(Ich hab hier nur mit den Foto-Einstellungen meines HTC rumgespielt, professionelle Retusche dauert schon mal sechs Stunden!)

Bücher
Gehört habe ich die beiden Teile der Autobiographie von Roald Dahl Boy und Going Solo. Die Erinnerungen an seine Kindheit haben mich wirklich berührt. Ich mag, dass er seine Erfahrungen nicht verklärt wie es sonst häufig Alte-Männer-Art ist, sondern man spürt, dass die Schläge in einer englischen Boarding School noch 60 Jahre später sichtbare Spuren hinterlassen haben. Umso bemerkenswerter sind seine Abenteuerlust und die seltene Fähigkeit Schönheit aufzunehmen. Ein Tausendsassa, dessen Autobiographie leider schon endet, als er 26 ist. Unbedingt anhören!

Gut gefallen hat mir auch Hotel Alpha von Mark Watson, die (fiktive) Geschichte eines Londoner Luxushotels, über 40 Jahre streng perspektivisch erzählt aus der Sicht des Portiers und des Adoptivsohns der Hoteliersfamilie. Während die Gäste im Roman nur Randfiguren sind – die schon mal einen Ehering durch die Hotelhalle werfen – gibt es auf der Website zum Buch über hundert Gastgeschichten zum kostenlosen Lesen, bei denen man mehr als einmal denkt: Ach, so war das! Wunderbare Idee, dieses theoretisch unendliche Universum an Geschichten ins Netz zu verlängern.

I like to have a martini, Two at the very most.
After three I’m under the table, after four I’m under my host.


Ich habe ich mich viel im New York der 20er herumgetrieben, Dashiell Hammett und F. Scott Fitzgerald nochmal sowie Michaela Karls Biographie von Dorothy Parker und ihrer Tafelrunde im Algonquin-Hotel gelesen. Dem legendären Roundtable gehörte das gesamte literarische New York an, das ebenso gesamt trotz Prohibition alkoholabhängig war, nicht wenige von ihnen starben früh und verarmt. Die Bonmots dieser spitzzüngigen Menschen wurden im ganzen Land zitiert, aber Dorothy Parker war die Meisterin.

Fitzgerald war mit seinem ersten Roman sehr jung sehr reich und sehr berühmt geworden. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an das nächste Werk, aber während The Great Gatsby heute als Klassiker gilt, waren zeitgenössische Kritiker nicht begeistert.

(Das Buch wird auch getwittert; ergibt für mich nicht so viel Sinn, aber bitte.)

Film und Fernsehen
Passend dazu habe ich endlich die Verfilmung mit Leonardo DiCaprio gesehen. Der Film ist eine Ausstattungsorgie mit Kostümen von Prada, Musik von Amy Winehouse und Jay-Z und die stilvollste vorstellbare Ausschweifung. Er bleibt recht nah an der Vorlage, nur eine Sache fällt wirklich unangenehm auf:
Mein Lieblingskommentar zur Darstellung von Politik in House of Cards stand unter einer Kritik in der Washington Post:

Next thing you’ll tell me is that lasers don’t go "Pew! Pew!" in space because sound doesn’t travel in a vacuum.

In der dritten Staffel von House of Cards bin ich erstmals weniger verliebt in Kevin Spacey (den ich irgendwie immer als britischen Schauspieler gespeichert habe) denn in Robin Wright als Claire Underwood. Und so stieß ich auf den Instagram Account ihrer Kostümdesignerin, auf dem diese jedes Teil beschreibt, das Claire trägt und warum. Hier ist noch ein Interview mit Kemal Harris. Ehrlich gesagt war mir wirklich nicht klar, welch ein Aufwand betrieben wird, um das Kleidungsstück mit dem passenden Ausdruck für jede Szene zu finden.

Fußball
Mit dem sensationellen Abgang von Müller-Wohlfahrt (nicht denkbar ohne den Zusatz Arzt der deutschen Nationalmannschaft) wird die Bundesliga immer mehr zur Seifenoper. Ganz große Emotionen, ich liebe das.

Und sonst?
Wusstet Ihr, dass amerikanische Sauerkrauthersteller während des Ersten Weltkrieges ihr Produkt in Liberty Cabbage umbenannten?

Hamburg hat wieder gesungen. Trotz der etwas traurigen Auswahl (Tom Petty, Tracy Chapman) war die Kollegin noch am Tag danach ganz enthusiasmiert. Es herrschte Einigkeit, dass wir beim nächsten Mal Piccolöchen mitnehmen.

Große Vorfreude auf die re-publica. Ich hab da mal einen #rp15-Sessionplaner gebaut, der in jedem Browser funktionieren sollte.

(Die Wettervorhersage behauptet, Dienstag würden 27°. Das kann ich nur als Zeichen deuten, mir morgen ein Sommerkleid – ja! – kaufen zu müssen.)

März

Are you sitting comfortably? Then I´ll begin.

Unser langes Wochenende an der See mit den Elternteilen, allen Kindern und Enkeln war diesmal wegen der langen Anreise ein bisschen kürzer. Nach Scharbeutz brauchen wir eine Stunde, nach Usedom dreieinhalb. Heringsdorf sieht man den Glanz des alten Kaiserbades an und die Strände an der östlichen Ostsee sind so viel tiefer, weicher und weißer als die im Westen. Aber bei 6° in der Vorsaison konnte ich mir den Ort einfach nicht wuselig und mit Freibadgeräuschen untermalt vorstellen.
Promenade in Ahlbeck
Essen waren wir im Restaurant Seebrücke Ahlbeck. Ach was! Und obwohl wir auch einen Geburtstag begingen, nämlich den 130. der Elternteile, war es doch ganz anders als bei Loriot.

Das wirklich Besondere war für mich, einfach so die Promenade entlang nach Polen zu gehen. Die Brüderchen und Schwesterchen – fünf bis 15 Jahre jünger – konnten meine Begeisterung dafür nicht so richtig teilen, aber ich habe selten so gut angelegte EU-Fördermillionen wie den Radweg von Heringsdorf nach Swinemünde gesehen!

Bücher
Dickes Papier, große Typo, viel Weißraum, aber nicht so viel drin: Aus 320 Seiten in der Printausgabe wurden 194 auf dem unbestechlichen Ebook-Reader. Montecristo ist für mich Martin Suters schlechtestes Buch, das gewohnte Milieu – ja -, aber ohne echte Charaktere oder Überraschungen. Ein Held, der sich nicht dagegen wehrt, ein Spielball der Verschwörung zu sein, und sich nach kurzem Aufbäumen in die Alternativlosigkeit ergibt. Ich fand es empörend, dass ich das Bedrückende und Empörende daran nicht spüren konnte. Deshalb bleiben mir vor allem die Männerphantasien von der Asiatin nur mit High Heels und einem Geschirrtuch bekleidet in Erinnerung. Wie ärgerlich! Dann lieber Allmen, die Geschichten haben wenigstens Flow und Stil.

Nichts bedeutet irgendetwas. Deshalb lohnt es sich auch nicht, irgendetwas zu tun.

sagt ein Schüler in Nichts. Was im Leben wichtig ist. Und dann tun seine Klassenkameraden etwas, um ihm zu beweisen, dass er im Unrecht ist und das bekommt so viel Bedeutung, dass sie eigentlich schon gewonnen haben. Aber wie so oft, wenn die Sache zu wichtig wird, werden Pazifisten zu Steinewerfern.

Ihm war klar, dass es seinem Gewissen an Übung mangelte, um siegreich zu bleiben

Gehört habe ich History of a Pleasure Seeker von Richard Mason. Die Geheimen Talente des Piet Barol, der 1907 als Lehrer in das Haus eines sehr reichen Amsterdamer Geschäftsmannes kommt, sind aufregend und elegant erzählt. Noch runder wäre es allerdings gewesen, wenn das Buch mit dem Auszug Barols geendet hätte, zumal ein zweiter Teil offenbar schon in Arbeit ist.

In Hörbüchern stecke ich am Anfang des vergangenen Jahrhunderts fest. Das ist eine so faszinierende Zeit, bevor Technik und Kriege Leben wie Lebensart für immer veränderten. Und wichtig, sich nicht nur als Frau bewusst zu machen, wie kurz erst wir selbst über unseren Körper, unser Geld, unser Leben entscheiden können.

Film und Fernsehen
Dass Moritz Bleibtreu nach fast 20 Jahren wieder Fernsehen macht, zeigt ziemlich deutlich, wo der deutsche Kinofilm steht. Und so war der letzte deutsche Film, den ich im Kino schaute, denn auch Elementarteilchen 2006. Den Bleibtreu will ich eben am liebsten in großen Emotionen sehen, aber auch sonst mag ich ihn einfach:

Schuld nach Ferdinand von Schirach ist natürlich schon besseres Fernsehen, was vor allem an den guten Vorlagen liegt. Kleine Geschichten um die großen Dilemmata von Recht und Gerechtigkeit, unaufgeregt erzählt. Sind wir der Maden-und Blutspurendeutung nicht alle ein bisschen überdrüssig? Ich glaube, so kamen wir neulich auch dazu festzustellen, dass O. J. Simpson heute wohl nicht mehr freigesprochen würde, weil jeder aufmerksame Fernsehzuschauer und damit potentielles Jury-Mitglied genug weiß, um eindeutige Spuren richtig zu werten.

Große Liebe für Böhmermann!
Das ist es doch, wonach wir uns alle sehnen, seit Jon Stewart gezeigt hat: So kann es also sein ohne den Zynismus von Harald Schmidt, wenn da Haltung ist statt Selbstekel. Die heute-Show ist zwar immer mal für einen Gag gut, hat aber bisher nicht die Mittel gefunden, dem Journalismus seine fundamentale Beschränktheit zu demonstrieren.

Sehen Sie das auch so – oder anders? Dann kommentieren Sie jetzt bitte diesen Artikel.

Diese Beschränktkeit äußert sich gleichermaßen in der Absurdität der gestellten Fragen "Ist die Freundin des Piloten Muslimin?" wie der nicht gestellten "Wie konnte es soweit kommen, dass ausgerechnet eine Anti-Terror-Maßnahme den Tod von 150 Menschen ermöglichte?".

Ach .com egal! Hauptsache der Kreisel aus Medien, Medienkritik, Kritik an der Medienkritik und der Kritik daran dreht sich immer schön weiter. Neuer Beat, gleiches Stück und Repeat bleibt gedrückt*.

Mein Techniktagebuch
WLAN im Hotel, das ist wohl die Art, wie (die meisten) Politiker sich Internetnutzung vorstellen: Man bekommt ein Kärtchen mit einem registrierten Code, damit "geht man ins Internet" und wird aus Sicherheitsgründen nach kurzer Zeit wieder ausgeloggt. Ridikulös, dass diese Maßnahmen sein müssen, weil der Gesetzgeber die Urheber schützen will.

Denn so ist das wirklich mit dem Urheberrecht: Es gibt da ein englisches Hörbuch, das ich gerne haben möchte. Aber es ist nur mit amerikanischer Adresse und nur als Download bei audible/itunes/audiobook erhältlich, weswegen ich mir auch nicht wie sonst einfach die CD bei ebay.com kaufen kann. Mir ist natürlich klar, dass die Rechte an der neuen Übersetzung für Deutschland nicht erworben wurden, denn Rilke ist gemeinfrei, aber wer hat denn nun was davon? Der Übersetzer nicht, Sprecher und Verlag nicht, ich schon gar nicht. Und bei den üblichen illegalen Downloadmöglichkeiten ist Rilke überraschenderweise eher nicht so gefragt :-)

Ich weiß schon, es ist ein bisschen seltsam, Rilke auf englisch zu wollen, aber – so hören Sie doch selbst!

Fußball
Es ist zu viel Geld im Fußball und es ist sagenhaft ungerecht verteilt. Wenn der Abstand der englischen Liga und Bayerns zu groß und zu normal für die Spieler geworden ist, wird sich diese Entwicklung nicht mehr zurückdrehen lassen. Und die Zuschauer, denen es gar nicht um das Spiel geht, sondern um Bratwurst mit den Kumpels im Stadion oder ein schönes sauberes Familienevent ... Sind das Fans, auf die man dauerhaft bauen kann – auch wenn Deutschland vielleicht erst in 20 Jahren wieder Weltmeister wird und das Interesse am Fußball schon mangels Präsenz im Fernsehen nachlässt – oder suchen die sich irgendwann etwas, das doch mehr kickt?

Arbeit
Das schöne Projekt, das wir so pünktlich fertig hatten, musste dann wegen Problemen mit der API der Gegenseite nach wenigen Tagen wieder ausgebaut werden. Das sind die Momente, in denen ich froh bin, hier nur einen Arbeitsvertrag zu haben. Es ist nicht mein Geschäft, nicht ich habe diese Entscheidungen getroffen. Und wenn mich genau das zu sehr nervt, nehme ich Urlaub – bezahlten.

Und sonst?
Acht Stunden mit der Freundin gefrühstückt und dabei alles, alles über Männer und Online-Dating erfahren. Ein Golden-Girls-Versprechen gegeben.

Done.

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