Mein Blog, mein Haus, mein Viertel seit 2001.

März

Are you sitting comfortably? Then I´ll begin.

Unser langes Wochenende an der See mit den Elternteilen, allen Kindern und Enkeln war diesmal wegen der langen Anreise ein bisschen kürzer. Nach Scharbeutz brauchen wir eine Stunde, nach Usedom dreieinhalb. Heringsdorf sieht man den Glanz des alten Kaiserbades an und die Strände an der östlichen Ostsee sind so viel tiefer, weicher und weißer als die im Westen. Aber bei 6° in der Vorsaison konnte ich mir den Ort einfach nicht wuselig und mit Freibadgeräuschen untermalt vorstellen.
Promenade in Ahlbeck
Essen waren wir im Restaurant Seebrücke Ahlbeck. Ach was! Und obwohl wir auch einen Geburtstag begingen, nämlich den 130. der Elternteile, war es doch ganz anders als bei Loriot.

Das wirklich Besondere war für mich, einfach so die Promenade entlang nach Polen zu gehen. Die Brüderchen und Schwesterchen – fünf bis 15 Jahre jünger – konnten meine Begeisterung dafür nicht so richtig teilen, aber ich habe selten so gut angelegte EU-Fördermillionen wie den Radweg von Heringsdorf nach Swinemünde gesehen!

Bücher
Dickes Papier, große Typo, viel Weißraum, aber nicht so viel drin: Aus 320 Seiten in der Printausgabe wurden 194 auf dem unbestechlichen Ebook-Reader. Montecristo ist für mich Martin Suters schlechtestes Buch, das gewohnte Milieu – ja -, aber ohne echte Charaktere oder Überraschungen. Ein Held, der sich nicht dagegen wehrt, ein Spielball der Verschwörung zu sein, und sich nach kurzem Aufbäumen in die Alternativlosigkeit ergibt. Ich fand es empörend, dass ich das Bedrückende und Empörende daran nicht spüren konnte. Deshalb bleiben mir vor allem die Männerphantasien von der Asiatin nur mit High Heels und einem Geschirrtuch bekleidet in Erinnerung. Wie ärgerlich! Dann lieber Allmen, die Geschichten haben wenigstens Flow und Stil.

Nichts bedeutet irgendetwas. Deshalb lohnt es sich auch nicht, irgendetwas zu tun.

sagt ein Schüler in Nichts. Was im Leben wichtig ist. Und dann tun seine Klassenkameraden etwas, um ihm zu beweisen, dass er im Unrecht ist und das bekommt so viel Bedeutung, dass sie eigentlich schon gewonnen haben. Aber wie so oft, wenn die Sache zu wichtig wird, werden Pazifisten zu Steinewerfern.

Ihm war klar, dass es seinem Gewissen an Übung mangelte, um siegreich zu bleiben

Gehört habe ich History of a Pleasure Seeker von Richard Mason. Die Geheimen Talente des Piet Barol, der 1907 als Lehrer in das Haus eines sehr reichen Amsterdamer Geschäftsmannes kommt, sind aufregend und elegant erzählt. Noch runder wäre es allerdings gewesen, wenn das Buch mit dem Auszug Barols geendet hätte, zumal ein zweiter Teil offenbar schon in Arbeit ist.

In Hörbüchern stecke ich am Anfang des vergangenen Jahrhunderts fest. Das ist eine so faszinierende Zeit, bevor Technik und Kriege Leben wie Lebensart für immer veränderten. Und wichtig, sich nicht nur als Frau bewusst zu machen, wie kurz erst wir selbst über unseren Körper, unser Geld, unser Leben entscheiden können.

Film und Fernsehen
Dass Moritz Bleibtreu nach fast 20 Jahren wieder Fernsehen macht, zeigt ziemlich deutlich, wo der deutsche Kinofilm steht. Und so war der letzte deutsche Film, den ich im Kino schaute, denn auch Elementarteilchen 2006. Den Bleibtreu will ich eben am liebsten in großen Emotionen sehen, aber auch sonst mag ich ihn einfach:

Schuld nach Ferdinand von Schirach ist natürlich schon besseres Fernsehen, was vor allem an den guten Vorlagen liegt. Kleine Geschichten um die großen Dilemmata von Recht und Gerechtigkeit, unaufgeregt erzählt. Sind wir der Maden-und Blutspurendeutung nicht alle ein bisschen überdrüssig? Ich glaube, so kamen wir neulich auch dazu festzustellen, dass O. J. Simpson heute wohl nicht mehr freigesprochen würde, weil jeder aufmerksame Fernsehzuschauer und damit potentielles Jury-Mitglied genug weiß, um eindeutige Spuren richtig zu werten.

Große Liebe für Böhmermann!
Das ist es doch, wonach wir uns alle sehnen, seit Jon Stewart gezeigt hat: So kann es also sein ohne den Zynismus von Harald Schmidt, wenn da Haltung ist statt Selbstekel. Die heute-Show ist zwar immer mal für einen Gag gut, hat aber bisher nicht die Mittel gefunden, dem Journalismus seine fundamentale Beschränktheit zu demonstrieren.

Sehen Sie das auch so – oder anders? Dann kommentieren Sie jetzt bitte diesen Artikel.

Diese Beschränktkeit äußert sich gleichermaßen in der Absurdität der gestellten Fragen "Ist die Freundin des Piloten Muslimin?" wie der nicht gestellten "Wie konnte es soweit kommen, dass ausgerechnet eine Anti-Terror-Maßnahme den Tod von 150 Menschen ermöglichte?".

Ach .com egal! Hauptsache der Kreisel aus Medien, Medienkritik, Kritik an der Medienkritik und der Kritik daran dreht sich immer schön weiter. Neuer Beat, gleiches Stück und Repeat bleibt gedrückt*.

Mein Techniktagebuch
WLAN im Hotel, das ist wohl die Art, wie (die meisten) Politiker sich Internetnutzung vorstellen: Man bekommt ein Kärtchen mit einem registrierten Code, damit "geht man ins Internet" und wird aus Sicherheitsgründen nach kurzer Zeit wieder ausgeloggt. Ridikulös, dass diese Maßnahmen sein müssen, weil der Gesetzgeber die Urheber schützen will.

Denn so ist das wirklich mit dem Urheberrecht: Es gibt da ein englisches Hörbuch, das ich gerne haben möchte. Aber es ist nur mit amerikanischer Adresse und nur als Download bei audible/itunes/audiobook erhältlich, weswegen ich mir auch nicht wie sonst einfach die CD bei ebay.com kaufen kann. Mir ist natürlich klar, dass die Rechte an der neuen Übersetzung für Deutschland nicht erworben wurden, denn Rilke ist gemeinfrei, aber wer hat denn nun was davon? Der Übersetzer nicht, Sprecher und Verlag nicht, ich schon gar nicht. Und bei den üblichen illegalen Downloadmöglichkeiten ist Rilke überraschenderweise eher nicht so gefragt :-)

Ich weiß schon, es ist ein bisschen seltsam, Rilke auf englisch zu wollen, aber – so hören Sie doch selbst!

Fußball
Es ist zu viel Geld im Fußball und es ist sagenhaft ungerecht verteilt. Wenn der Abstand der englischen Liga und Bayerns zu groß und zu normal für die Spieler geworden ist, wird sich diese Entwicklung nicht mehr zurückdrehen lassen. Und die Zuschauer, denen es gar nicht um das Spiel geht, sondern um Bratwurst mit den Kumpels im Stadion oder ein schönes sauberes Familienevent ... Sind das Fans, auf die man dauerhaft bauen kann – auch wenn Deutschland vielleicht erst in 20 Jahren wieder Weltmeister wird und das Interesse am Fußball schon mangels Präsenz im Fernsehen nachlässt – oder suchen die sich irgendwann etwas, das doch mehr kickt?

Arbeit
Das schöne Projekt, das wir so pünktlich fertig hatten, musste dann wegen Problemen mit der API der Gegenseite nach wenigen Tagen wieder ausgebaut werden. Das sind die Momente, in denen ich froh bin, hier nur einen Arbeitsvertrag zu haben. Es ist nicht mein Geschäft, nicht ich habe diese Entscheidungen getroffen. Und wenn mich genau das zu sehr nervt, nehme ich Urlaub – bezahlten.

Und sonst?
Acht Stunden mit der Freundin gefrühstückt und dabei alles, alles über Männer und Online-Dating erfahren. Ein Golden-Girls-Versprechen gegeben.

Done.

Februar

Are you sitting comfortably? Then I´ll begin.

Hamburg singt ist ein Chor für jedermann; jeden Dienstag finden sich ein paar hundert Menschen in der Michaelispassage ohne die Verpflichtung regelmäßiger Teilnahme zusammen um zu singen.
Letzte Woche sangen wir: Auf uns, Englishman in New York, Time of my Life, Rebel Yell und Thank you for the Music. Es war wunderbar!

Bücher
How to be a Woman von Caitlin Moran war das erste Buch auf Papier seit 2 1/2 Jahren. Kurzkritik: Ja.

Die Nebenbei-Erkenntnis gewonnen, dass es in England offenbar immer noch an institutionalisierter Aufklärung mangelt, deren Fehlen wohl auch für die im europäischen Vergleich hohen Raten an Teenager-Schwangerschaften und Abtreibungen verantwortlich ist. So viel Kummer und Leid. Wie unnötig.

Wann ist denn das alles passiert? Keine Ahnung, gerade eben?

Der Tumblr war mir irgendwann zuviel, die gekürzte Fassung des Techniktagebuchs habe ich jetzt im Browser bei Sobooks gelesen. Es ist schon jetzt keineswegs langweilig und wird immer besser.

A Heroe´s Welcome (die Fortsetzung von My Dear, I wanted to tell You) gehört. Die Romane von Louisa Young geben mir erstmals einen Eindruck davon, warum man diesen Krieg den Großen nannte, bevor er zum Ersten wurde. Welche Verwerfungen und bis dahin unbekannten Verletzungen er nicht nur für die Soldaten an der Front bedeutete, sondern auch für die Zivilbevölkerung. Dabei habe ich viel erfahren über die Anfänge der plastischen Chirurgie und deren Vater Harold Gillies. Wenn Ihr darüber auch nichts weiter wisst, Vorsicht beim Googeln von Gueules cassées.

Film und Fernsehen
Kein Fernsehen geschaut außer dem Polizeiruf aus Rostock, den ich wegen der physischen Intensität so mag: Jedes Schnaufen, jeder Schweißtropfen ist beinahe spürbar, als würde man neben Bukow in dem schaukelnden Wagen sitzen, in den er gerade seinen schweren Körper gewuchtet hat.

You don’t fall in love with someone because they are beautiful. People are lovely, because we love them. Not the other way round. — Cat

The Line of Beauty weggeschaut, eine BBC-Mini-Serie nach dem Bookerprize-Roman von Alan Hollinghurst. Titelgebend sind Hogarth’s theories of visual beauty, aber auch Koks. Die Geschichte des schwulen Studenten Nick, Hausgast bei der Familie eines Tory-Abgeordneten im London der Thatcher-Ära, ist entlarvend für die moralische Verkommenheit und Heuchelei der Klassengesellschaft – in der alles geht, solange nur die Wahrheit nicht ausgesprochen wird – und herzzerreißend für den Außenseiter Nick, der bezahlt für seinen Hang zur Schönheit.

Hilde mit Heike Makatsch gesehen, deren Entwicklung vom Viva-Girlie zur ernsthaften Schauspielerin mir gefällt. Der Höhepunkt des Films war aber seltsam verrutscht: Als ich mich bequemer hinsetzte – jetzt geht´s also los – war das schon die Schlussszene. Es kann an mir liegen, aber vielleicht stimmte die Dramaturgie wirklich nicht. Außerdem waren die Dialoge so deutlich von Frauen und für Frauen geschrieben, dass es mich peinlich berührte:

  • Ich will mit Dir ins Bett gehen, mit Dir aufstehen und wieder mit Dir ins Bett gehen, mit Dir alt werden und mit Dir sterben.

  • Und mit mir zur Hölle fahren?

  • Scheiße, dann kommen wir nicht in den Himmel?


(Urgs.)


The Guest ist ein irre komisches Action-Psycho-Dings mit einem geradezu dreist als Sexsymbol in Szene gesetzten männlichen Hauptdarsteller, dessen Leistung ich auf Twitter als God walking among Ants beschrieben fand. Hell, yeah!

Man weiß ja um die beiden größten Feinde der USA, aber bei so vielen Toten frage ich mich doch, für wen in meiner amerikanischen Version wohl die Nippel-Szene herausgeschnitten wurde?!

Und dann war da plötzlich Citizenfour im Netz. Ich hätte gern für den Film bezahlt, hatte aber keine Lust, an einem Sonntagmorgen in ein Kino am anderen Ende der Stadt zu fahren. Es ist ja nicht so, dass die Fakten nicht alle bekannt gewesen wären, aber weil mich Heldentum und die Frage nach Vorbildern bisher immer so ratlos machen – Edward Snowdens Opfer und seine Haltung, that ordinary citizens, working together, can change the world sind die Antwort auf alles. 42.

Ich bin sehr gerührt. Und sehr, sehr wütend.

Mein Techniktagebuch
Erst war ich ein bisschen pissig mit Audible – warum kein mp3? Aber diese App gefällt mir wirklich gut, die Möglichkeit, kurz ein paar Sekunden vor oder zurück zu springen, das Tempo zu verringern oder bei nur langsam zum Thema kommenden Sachbüchern zu erhöhen. Die Synchronisation funktioniert über meine diversen Geräte ruckelfrei, und ja, ich halte funktionierende Technik für durchaus erwähnenswert.

Arbeit
Wir haben das Projekt bereits in der Planungsphase runtergebrochen auf das wirklich absolut Notwendige und sind – wie geplant – Wochen vor Abgabe fertig. Wie so richtige Profis!

Und sonst?
Fußball ist zurück in Dortmund und hat seinen romantischen Moment mit Reus. Awww!

Bahnticket für die #rp15 besorgt. Dabei fiel mir ein, dass ich im letzten Jahr das Quietschen der Klotür aufgenommen habe. Vorfreude.



Seit langer Zeit mal wieder bis morgens um halb fünf getanzt und mir bei irgendeinem crazy Move die Schulter gezerrt. Das fühlt sich verdammt gut an!

Ich habe in Eulen-Bettwäsche geschlafen.

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