Elfengleich.de
About Mein Blog, mein Haus, mein Viertel seit 2001. re:publica 14 - INTO THE WILD
220913

Auslandseinsätze, Euro-Krise, Kindergartenplätze und die Rente

sind mir egal.

Ich mache mir da nichts vor, bei allen realistischen Regierungskonstellationen wird sich nichts Wichtiges ändern, und die Koalition, die ich mir wünsche, werde ich nicht bekommen.

Wenn ich die Grünen wähle, wird vielleicht Steinbrück, diese Pose ohne Haltung, Kanzler. Vielleicht Gabriel unter Beteiligung von Leuten, die es heute noch ganz in Ordnung finden, daß Menschen auf der Suche nach Freiheit an der Landesgrenze erschossen wurden.

Die Grünen sind auf so vielen guten Wegen, und eine Gesellschaft ohne die sieben Jahre ihrer Regierungsbeteiligung möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Es ist daher falsch und ungerecht, aber ich kann ihre Nicht-Haltung zu Netzsperren 2009 nicht vergessen. Nichts kann so sehr enttäuschen wie das, was man liebt.

Aber da, wo die Grünen lieber den sicheren Weg wählen, kommen die Piraten mit dem Privileg der Neuen: Einem Blick von außen mit der Möglichkeit alles infrage zu stellen. Erst eine Idee zu haben und dann zu schauen, wie man sie umsetzen kann. Dem Glauben an ein Menschenbild, das das Fordern nicht braucht, sondern sicher ist, daß jeder in maximaler Freiheit und größtmöglicher sozialer Sicherheit sein Bestes gibt, und das allen nützt. Daß Religion Privatsache ist, die der Staat schützen aber nicht unterstützen muss. Dass Transparenz notwendig ist, damit jeder, der das will, alles verstehen und teilhaben kann. Dass Überwachung nur noch gefühlte Freiheit bedeutet und die Demokratie zerstört. Dass Fakten und Argumente zählen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich gar nicht alleine bin mit meiner seltsamen Weltanschauung (eat this Ihr Ideologie-Feinde!), sondern dass da draußen viele sind, die genauso denken und es schon deshalb verdient haben, auch politisch eine kleine Kraft zu sein und mindestens so oft gehört zu werden wie andere.

Ich wähle heute Piraten, weil ich will, daß sie einen Platz in der Berliner Runde bekommen und ihr Statement in der Tagesschau bis alle begriffen haben, wie eine freie und offene Gesellschaft aussehen könnte, und daß sie möglich ist! So wie irgendwann auch alle begriffen haben, daß wir nicht im Dunkeln sitzen, wenn die Atomkraftwerke abgestellt werden.

2000 Hamburg 60

Mein Beitrag zu Buddenbohms Rest von Hamburg.

Ich muß noch was zu Winterhude-Nord sagen, das Sibylle in ihrem Beitrag über Winterhude so vernachlässigt hat. Und tatsächlich erschließt sich der Charme von 22299 Hamburg nicht sofort, wenn man nur einen Blick auf diesen seltsam häßlichen Winterhuder Marktplatz wirft.

Die ältesten Häuser im Norden Winterhudes sind die teilweise denkmalgeschützten Bleicherhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals wurde die Wäsche der Stadt hier gewaschen und auf den Leinpfadwiesen zum Trocknen und Bleichen ausgelegt. Erst nach der Eingemeindung des Dorfes begann der Geschoßwohnungsbau, Jugendstilhäuser mit langen Grundrissen in Form des Hamburger Knochens, die heute noch das Bild der Seitenstraßen prägen.


Größere Kartenansicht

Bei Google Maps kann man sehen, wie sehr der schon in den anderen Der Rest von Hamburg-Artikeln genannte Oberbaudirektor der 20er Jahre Schumacher nicht nur das Stadtbild, sondern auch das Wohnen verändert hat. Links unten die Schlitz-Bebauung aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, darüber Backsteinmonumente wie Burganlagen mit Durchgängen oder als geschlossene Straßenzüge, durch die Gemeinschaftsgärten für alle Anwohner entstanden sind.

Ich wohne in einem 1927 von Fritz Höger entworfenen Backsteinhaus. Die Wohnungen haben "reelle" Zimmer mit Dielenboden und hohen Decken, eine große Küche mit Speisekammer, Balkon und ein Vollbad mit Fenster. Also genau das, was noch heute per Zettel an allen Ampeln von denen gesucht wird, die die Hoffnung nicht vollständig aufgegeben haben.

Fritz Höger Bau
Zwischen Bäckern, Banken und Blumenläden gibt es nicht nur alles, was man braucht, sondern auch so völlig unnötige Versuchungen wie teure Boutiquen, ein Schuhgeschäft, inhabergeführte Buchhandlungen und Technik. Aber eben auch die Fußpflegerin in ihrer Souterrain-Praxis, die immer was aus dem Viertel zu erzählen weiß; den einzigen Schlachter in der Gegend, bei dem die Schlangen Samstags bis auf die Straße reichen, und Kneipen, die Bei Kosta heißen, in denen die Gespräche der dort festgewachsen scheinenden Gestalten am Tresen verstummen, wenn man kurz zum Geldwechseln reinkommt.

Das ältere Paar, das sich jeden Abend um halb sieben an der Ampel trifft, um einen Drink im Winterhuder Kaffeehaus zu nehmen, immer draußen, im Winter eingehüllt in Wolldecken.

Das Steakhaus Arizona mit den riesigen Pfeffermühlen und dem Chef Memo, der seine Gäste nie ohne noch einen Sambuca Caffé und immer nur hasta mañana verabschiedet. Eine alte Frau mit Kakadu auf der Schulter, die sich zur Fußball-WM in Schale wirft und vom Public-Viewing-Publikum im Arabella beklatschen läßt.

Das Bistro, das einfach nur Bistro heißt, und das jeder kennt, vielleicht weil es da so prominent an der Ecke liegt, vielleicht aber auch weil das Essen gut und günstig ist, obwohl die abends die Straße zuparkenden Luxusautos eher an einen überschätzten Yuppie-Schuppen denken lassen. Wahrscheinlich war er das auch mal bei der Eröffnung, doch jetzt – nach 28 Jahren – ist Schluß. Ich will nichts Häßliches über unseren gemeinsamen Vermieter sagen, aber eigentlich doch.

Als ich 1996 hierher zog, waren die gemischten Wohn- und Geschäftsstraßen abends still und ich wanderte durch Kopfsteinpflasteralleen, bewunderte Jugendstilfassaden und unentdeckte Hinterhöfe, deren Gewerbebauten inzwischen alle zu Loftwohnungen und Dachböden zu Penthouses umgebaut wurden. In die Geschäfte zogen Lokale und Leben nach 18 Uhr 30, kleine Häuser wurden abgerissen und durch Neubauprojekte namens Sky-Living ersetzt. Auf dem alten Raffay-Gelände zwischen Marktplatz, Alsterdorfer, Ohlsdorfer und Himmelstraße bauen Projektentwickler 200 Wohnungen, die noch vor der Fertigstellung verkauft sein werden, denn Lage ist alles – und wir liegen hier gut.

Im Park
Hamburg ist eine grüne Stadt und Winterhude das wahrscheinlich grünste Viertel mit dem Stadtpark als erweitertem Garten für jeden Einzelnen. Auf der großen Wiese vom Planetarium bis zum Stadtparksee wird gegrillt und Fußball gespielt, im Rosengarten findet sich immer ein gefühlt privates Plätzchen zum Lesen. Am Kinderplanschbecken haben meine Schwester und ich das regellose Tischtennisspiel erfunden, in der Stadtparkbühne an der Platanenallee hatte ich einige der schönsten Sommerabende im Regen, die Hamburg so Hamburg machen.

Vom Stadtparksee zieht sich ein Kanalgeflecht südlich durch das Viertel bis zur Alster. Nur ein paar Minuten vom Marktplatz entfernt verläuft der von Schumacher kanalisierte Alsterlauf, an dessen grünen Ufern es sich gut aushalten läßt bis auf der Eppendorfer Seite die Sonne untergeht. Tretboote weichen den Ruderern aus, die auf dieser geraden Strecke trainieren, angetrieben von den lauten Anfeuerungsrufen ihres Steuermanns. Man kann dösig den Leuten beim Baden zusehen oder das Wendemanöver der Saselbek beobachten, die vom Anleger Leinpfad in einer Stunde zum Jungfernstieg zwischen West- und Ostufer kreuzt.

Am Alsterlauf
Zwei der drei Hamburger U-Bahn-Linien bringen uns in zehn Minuten auf den Kiez oder in die Innenstadt. Die Busse fahren in alle Richtungen, es ist praktisch hier für alle Inhaber eines HVV-Abonnements – nur nicht so für Autofahrer, denn Parkplätze gibt es keine. Ein Garagenstellplatz kostet hier soviel wie in anderen Gegenden Deutschlands eine 1 1/2-Zimmer-Wohnung warm. Der Liebste, der seinen großen Wagen leider beruflich braucht, plant abends gut 20 Minuten Fußweg ein vom Südring durch den Stadtpark, vorbei an Fußballfeldern, Minigolfplätzen und dem Landhaus Walter. Man kann es wirklich schlechter haben.

Bei Wahlen schneiden hier drei Parteien etwa gleich ab. Und so ist auch die Mischung, zwischen Mittdreißigern mit Kinderwagen und Witwen mit Gehwagen. Meine Hood ist schön und lebenswert und daher teuer, aber nicht so richtig hip: Beim Einkaufen sehe ich regelmäßig Margret Homeyer, Volker Lechtenbrink, Heinz Strunk und Reinhold Beckmann.
311211

53 Bücher, die ich 2011 gelesen habe

Leselotte
Ferdinand von Schirach, Der Fall Collini
Moritz Rinke, Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel
Richard Dawkins, Der Gotteswahn

John Fitzgerald, Der große Gatsby
Henry James, Daisy Miller
Arno Geiger, Alles über Sally
Oliver Lepsius (Hrsg.), Inszenierung als Beruf, Der Fall Guttenberg
Kristof Magnussen, Das war ich nicht

Eva C. Schweizer, Manhattan Moments
Jeffrey Eugenides, Die Selbstmord-Schwestern
Malcolm Gladwell, Der Tipping Point
Candace Bushnell, One Fifth Avenue
Helene Hanff, Briefe aus New York

Adam Haslett, Union Atlantic
Andreas Meyer-Landrut, Mit Gott und langen Unterhosen
Assaf Gavron, Ein schönes Attentat
Tom Rachmann, Die Unperfekten
Oliver Storz, Die Freibadclique

Eshkol Nevo, Wir haben noch das ganze Leben
Peter Henning, Die Ängstlichen
Jonathan Safran Foer, Extrem laut und unglaublich nah
Siri Hustvedt, Der Sommer ohne Männer
Wolfgang Herrndorf, Tschick

Kerstin Holzer, Elisabeth Mann Borgese
Julia Franck, Lagerfeuer
Kirsten Jüngling und Brigitte Rossbeck, Katia Mann – Die Frau des Zauberers
Victor Klemperer, LTI – Lingua Tertii Imperii
Juli Zeh, Corpus Delicti

Peter Stamm, Sieben Jahre
Achim Schwarze, Dünnbrettbohrer in Bonn, Aus den Dissertationen unserer Elite
Mariana Leky, Die Herrenausstatterin
Victor Klemperer, Tagebücher 1945
Victor Klemperer, Tagebücher 1944

Victor Klemperer, Tagebücher 1943
Victor Klemperer, Tagebücher 1942
Victor Klemperer, Tagebücher 1940-1941
Victor Klemperer, Tagebücher 1937-1939
Victor Klemperer, Tagebücher 1935-1936

Victor Klemperer, Tagebücher 1933-1934
Freya von Moltke, Erinnerungen an Kreisau
Inge und Walter Jens, Hedwig Pringsheims Reise nach Südamerika
Eckart Lohse und Markus Wehner – Guttenberg Biographie
Joschka Fischer, I am not convinced. Der Irak-Krieg und die rot-grünen Jahre

Stéphane Hessel, Empört Euch!
Ferdinand von Schirach, Verbrechen
Julia Franck, Bauchlandung
Arno Geiger, Es geht uns gut
Maximilian Buddenbohm, Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein

Eva Bakos, Das gläserne Wappen
Siri Hustvedt, Die Leiden eines Amerikaners
Katia Mann, Meine ungeschriebenen Memoiren
Julia Franck, Liebediener
Jonathan Franzen, Freiheit

...und das alles ohne die praktische Leselotte, die ich erst zu Weihnachten bekam!
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Hamburger Transparenzgesetz

Ein Hamburger Pirat hat ein Schreiben des Innovationsministeriums1 online gestellt, das in einer öffentlichen Sitzung seiner Bezirksversammlung Thema war. Trotzdem wurde er aufgefordert, das Dokument aus dem Netz zu entfernen. Offenbar gilt unserer Verwaltung alles als geheim, was nicht ausdrücklich öffentlich ist.

Vor ein paar Jahren habe ich mal versucht, an eine Studie zu gelangen, die der Senat im Zusammenhang mit dem Konzept Talentstadt Hamburg in Auftrag gegeben hatte. Tatsächlich waren dafür Studenten etwa in Shanghai nach ihrer Wahrnehmung der Metropole Hamburg befragt worden. Die Erkenntnisse waren erwartungsgemäß bahnbrechend: Hamburgs Vorzüge sind weltweit noch nicht bekannt genug.

Ich vermute, die Handlungsanweisung lautete daraufhin, den Marketingetat zu erhöhen. Ich weiß es aber nicht genau, denn die Behörde teilte mir mit, daß der Senator Ergebnisse vorstellen werde, die Studie selbst aber nicht für die Veröffentlichung bestimmt sei. Ja, was ist denn da los? Ich hab dafür bezahlt – und zwar 240.000 Euro excl. MwSt. an Roland Berger.

Auf Abgeordnetenwatch gibt es noch mehr Beispiele – auch unterdrückter Gutachten. Ich meine: So geht es nicht. Genauso wie alles, was nicht verboten ist, erlaubt ist, muß, was nicht ausdrücklich und aus guten Gründen geheim ist, offen und für alle zugänglich sein. Hier muß sich eine ganze Kultur ändern und dafür gibt es die Initiative Transparenz schafft Vertrauen, die ein neues Transparenzgesetz für Hamburg erreichen will. Unterstützt wird sie vom Chaos Computer Club, Transparency International sowie dem Verein Mehr Demokratie.

Und hoffentlich von Euch.
Bis zum 9. Dezember fehlen noch etwa 10.000 Unterschriften und leider ist es nicht so einfach wie bei einer Online-Petition: Ihr müßt Euch hier die Unterschriftenliste herunterladen um zu unterzeichnen.

Aber es lohnt sich.

1 Ja, die heißt wirklich Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Da es sich um die SPD handelt, nehme ich an, die Innovation wird in Anzahl Großprojekte mal verhinderte Straßenbahnkilometer ermittelt.

Platzverweis

Nazi-Hohlbratzen in meiner Hood
Eigentlich wollte ich heute einen Platzverweis erteilen, Herrn Westerwelle nämlich, auf die kleine Anfrage von Muriel hin. Stattdessen habe ich selbst einen bekommen – und das kam so:

Der Mann, wie immer am Samstag unterwegs, rief an, fragte ob ich die NPD-Demo auf dem Marktplatz schon bemerkt hätte. Wir witzelten eine Weile über Wasserbomben aus dem Wohnzimmerfenster, dann machte ich mich auf zum samstäglichen Einkauf.

Tatsächlich. Direkt vor unserem kleinen Einkaufzentrum stand ein versprengtes Häuflein Schwarzgekleideter, einer verlas irgendwas Unverständliches über Megaphon, drumherum Passanten und noch mehr Polizisten. Ich schaute mir das Pack von vorne an, machte ein paar Photos ihrer häßlichen Visagen und ging dann zum Eingang des Einkaufzentrums. Gut, dabei sind mir ein paar Beschimpfungen und Verwünschungen rausgerutscht, was man halt sehr laut denkt, wenn Neonazis vor der eigenen Haustür herumstehen.

Eine der Witzfiguren stellte sich mir in den Weg und verlangte rempelnd, ich solle außenrum gehen. Außen war für mich gar nicht zu erkennen, tatsächlich ist es wohl auch schwierig, außenrum zu gehen, wenn man offenbar bereits mittendrin steht, außerdem war ich kaum fünf Meter von der Drehtür entfernt, und so verlangte ich meinen Weg fortzusetzen. Gerade trat er zurück, wie es sich gehört für jemanden, der einem nicht mal die Stiefel lecken dürfte, da packten mich von hinten ein paar starke Polizistenarme, führten mich ein paar Meter weiter und man verlangte meinen Ausweis zu sehen.

Mein Demonstrationsrecht könne ich am anderen Ende der Straße wahrnehmen, wo eine Gegenkundgebung stattfinde, was ich ablehnte. Wegen Störung einer genehmigten Veranstaltung und Provokation wurde mir daraufhin ein Platzverweis bis 16 Uhr erteilt.

Ich dürfte, da ich innerhalb des mir verbotenen Platzes wohnte, auf direktem Wege nach Hause gehen, würde man mich auf dem Markt beim Einkaufen erwischen, käme ich in Gewahrsam.

Ein bißchen viel Staatsgewalt dafür, daß ich eigentlich nur meine staatsbürgerliche Pflicht getan habe und diesen Haßfratzen gesagt habe, daß sie hier unerwünscht sind.

Neues Fernsehen

Bei der Erweiterung und Pflege bestehender IT-Produkte kommt man irgendwann an den Punkt, an dem nur noch festgestellt werden kann, daß Abriss und Neubau einfacher und günstiger sind als das Doktorn an etwas, daß viel zu groß geworden, vielfach redundant, in Teilen irrelevant, kaputt und korrupt ist. Leider ist das bei vielen gewachsenen Systemen so und bei den meisten besteht dringender Handlungsbedarf. Zum Beispiel beim Fernsehen.

Wenn man ein neues gutes Fernsehen schaffen wollte, bedeutete dies also, das alte abzuschaffen. Hier mein Vorschlag für einen neuen Rundfunkstaatsvertrag, als dessen Grundlage mir der für den NDR definierte Programmauftrag dient, den ich als Leitziel voranstelle:

Neuer Rundfunkstaatsvertrag

[...] einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm hat der Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Er hat Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten und ist berechtigt, sich an Filmförderungen zu beteiligen.
§1 Programm
Werbung, Gewinnspiele, Boulevard und Quoten sind verboten.

Die Sendezeit ist etwa nach dem Schlüssel 40:30:20:10 auf die Bereiche Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung aufzuteilen.

(a) 40% Information
Nachrichten, Hintergrundberichte und die Berichterstattung vor Ort werden künftig den größten Teil ausmachen. Das Korrespondenten- und Reporternetz wird weiter ausgebaut.

(b) 30% Bildung: Kultur und Natur
Fast acht Stunden am Tag Dokumentationen, Sendungen über Bücher, Filme, Theater, Kunst, Musik, Religion und Naturwissenschaften.

(d) 20% Beratung
Aus- und Weiterbildung, Gesundheit und Ernährung, Finanzen und vor allem Recht.
/
(d) 10% Unterhaltung
Lassen Sie diese Zahl auf sich wirken. Nur noch 2,4 Stunden Unterhaltung am Tag im Neuen Fernsehen, da will wirklich gut überlegt sein, wieviel dieser kostbaren Zeit an Thomas Gottschalk verschwenden werden soll.

§2 Sender
Im Radio und Fernsehen wird es jeweis nur noch ein öffentlich-rechtliches überregionales Vollprogramm geben: Das Neue Fernsehen (NF) und das Neue Radio (NR).

(a) Neues Fernsehen
ZDF, 3sat, Phoenix, arte und Kika entfallen, da sie durch die Qualität des NF als Feigenblätter überflüssig geworden sind. Die digitalen Sender, über die ich außer Rundfunkräte noch nie jemanden habe sprechen hören, entfallen vorerst ebenfalls. Es wird aber bis zu 25 regionale Fernsehsender geben, die dem gleichen Programmauftrag verpflichtet sind, allerdings mindestens fünfzig Prozent der Sendezeit auf regionale Themen verwenden müssen.



(b) Neues Radio
Alle 55(!) bisherigen Wellen entfallen. Neben dem Neuen Radio wird es analog zu den Fernsehsendern bis zu 25 regionale Radiosender geben.

Wenn sich NF und NR bewährt haben, kann man darüber nachdenken, auf den freigewordenen Frequenzen Spartensender einzurichten oder Thementage mit dem vorhandenen Material zu veranstalten. (Das Wort veranstalten entfällt übrigens auch.)

(c) Internet
Sämtliche Sendungen sind live im Internet zu sehen und werden in Mediatheken jedem jederzeit und für immer zugänglich gemacht. Kompetente journalistische Sendungsbegleitung im Web ist nicht nur selbstverständlich, sondern auch selbstverständlich ohne Drei-Stufen-Test.

§3 Finanzierung
Das Budget ist ebenfalls nach dem Schlüssel 40:30:20:10 auf die Bereiche Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung aufzuteilen.

Das Budget kommt aus der Staatskasse, beträgt großzügige 5 Mrd. Euro und und wird jährlich an die Preisentwicklung angepaßt. Bürokratische Monster wie die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten und ihre große Schwester, die beliebte Gebühreneinzugszentrale, entfallen ersatzlos, weil überflüssig.

§4 Struktur
Alle öffentlich-rechtlichen Sender haben Zugriff auf das Korrespondentennetz und sämtliche Sendungen der anderen Programme. Regional- und Vollprogramme werden aber unabhängig voneinander erstellt, d.h. die von der Programmdirektion geleitete Programmkonferenz mit haupt- und nebenamtlichen Programmkoordinatoren und Programmbeirat ebenso wie die über 600 Rundfunk- und Fernsehräte, sowie alle anderen proporzdemokratischen, pseudoföderalen Gremien können daher entfallen.

Stattdessen wird es in jedem der 299 Bundestagswahlkreise einen Rundfunk-Abgeordneten geben, der vor Ort, in Weblogs und Diskussionssendungen den Kontakt mit dem Zuschauer sucht. Diese Mittler zwischen Zuschauer und Medium bestimmen die Programmstruktur im Rahmen dieses Rundfunkstaatsvertrages.

Vielleicht

sollte ich endlich mal einen Eintrag verfassen, in dem ich das Ende dieses Blogs ankündige. Aus langjähriger Erfahrung anderer weiß ich, daß das Mitteilungsbedürfnis danach groß ist.

Habe ich Dir eigentlich heute schon gesagt...

...wie schwierig Du bist?

Ja, Spiegel-Bashing ist so einfach

wie Claudia Roth zu dissen, aber ich darf mich auch immer wieder bestätigt sehen: Heute ein Artikel über sogenannte Bio-Äpfel aus China, deren Ökobilanz also echt nur so ein ganz kleines bißchen mies ist und die freudige Feststellung, daß Obst aus biologischem Anbau doch vielleicht gar nicht so viel gesünder ist als das aus konventionellem, naja jedenfalls, wenn man die Pestizidbelastung unberücksichtigt läßt. Und im Unberücksichtigtlassen ist der Spiegel ja ganz groß.

Beim Spiegel wird immer gern mit unterstellten Argumenten gearbeitet: Kritiker eines ausschweifenden Kapitalismus wollen diesen angeblich per Lichterkette abschaffen, Bioobst-Esser tun das, weil der Apfel gesünder ist. So wird denn auch gleich vermutet, daß Biofreunde die oben erwähnten Befunde für "ernüchternd" halten müßten. Diese oft falschen Argumente werden dann im Artikel widerlegt und für ideologisch verblendet, mindestens aber einfältig gehalten. Natürlich darf die Unterstellung nicht fehlen, nie würden diese Leute auf irgendwas verzichten, wenn es an ihren eigenen Wohlstand ginge. Haha erwischt, Globalisierungs"gegner" essen bei Mc Donalds. Das ist so langweilig und absehbar, so wenig erhellend, da gibt es keine wirkliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen, aber stets den Beweis der angenommenen Gegenthese zum angeblichen Mainstream. Ach, diese hämische Aufgeregtheit ermüdet mich so.

Dabei kaufe ich Bio-Erzeugnisse gar nicht in erster Linie, weil sie besser schmecken, also um mir etwas Gutes zu tun, sondern weil ich das Gefühl habe, das Richtige zu tun, nach meiner Überzeugung zu handeln: Eine natürlichere Form der Landwirtschaft unterstütze, die ohne chemische Zusätze auskommt, Böden und Grundwasser nicht belastet und weil ich die Lebensmittelindustrie, die in Laboren künstliches Erdbeeraroma erzeugt und den Rohstoff Butter durch Buttergeschmack ersetzt, für ebenso pervers halte wie Patente und Lizenzzahlungen für genmanipuliertes Saatgut und Knebelverträge auf die dazu passenden chemischen Kampfstoffe gegen Ungeziefer. Weniger hedonistische Motive also, mehr die grundsätzliche Einstellung, daß nicht alles, was möglich ist, gemacht, nicht alles, was man rauspressen kann auch erzielt werden muß. Dafür zahle ich mehr.

Meistens jedenfalls, manchmal kaufe ich ein billiges Stück Pute, aber nie rühre ich Eier aus Käfighaltung an. Weil ich H-Milch lieber mag als frische (ja eklig, ich weiß) ist es eben auch oft die vom Discounter, aber niemals kaufe ich Müllermilch-Produkte oder irgendwas bei Lidl oder Schlecker. Ich laufe in Nikes, liebe wie die meisten Frauen H&M und besorge Coca Cola für den Liebsten, obwohl ich globale Ketten, die billig einkaufen, ihre Markenartikel aber teuer absetzen, eigentlich nicht unterstützen will. Eine Inkonsequenz, die man sich geifernd von sogenannten aufgeklärten Marktteilnehmern vorwerfen lassen muß, die Atomstrom super weil billig finden und Vegetariern süffisant das Tragen von Lederschuhen vorwerfen.

Etwas zu tun ist besser als gar nichts zu tun. Jeder findet da seine eigene Balance und offenbar handeln viele Leute so, wenn man die enorm gestiegene Nachfrage nach Bio-Produkten sieht. Genau diese bezeichnet der Spiegel als "Schattenseite". Vollkommen idiotisch aus meiner Sicht, denn ich bin eben nicht nur daran interessiert, immer den niedrigsten Preis zu zahlen, sondern will ja, daß eines sehr schönen Tages ökologische Landwirschaft die Regel und nicht die Ausnahme darstellt. Die hohe Nachfrage wird sich ihr Angebot schaffen, davon bin ich überzeugt.
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Ein Freund macht sich selbständig und stößt in einem Formular auf die Zeile Firma. Da er keinen Namen für sein Unternehmen hat, das Feld aber für obligatorisch hält, kritzelt er irgendwas hin. Kurze Zeit später ein Schreiben der Behörde mit dem freundlichen Hinweis, daß die Aufnahme englischsprachiger Firmennamen ins Handelsregister mit zusätzlichen 13 Euro zu Buche schlägt.

Ob er auf dem Eintrag Chriz making Dollars bestehen wird, weiß er noch nicht.