Mein Blog, mein Haus, mein Viertel seit 2001.

Februar

Are you sitting comfortably? Then I´ll begin.

Hamburg singt ist ein Chor für jedermann; jeden Dienstag finden sich ein paar hundert Menschen in der Michaelispassage ohne die Verpflichtung regelmäßiger Teilnahme zusammen um zu singen.
Letzte Woche sangen wir: Auf uns, Englishman in New York, Time of my Life, Rebel Yell und Thank you for the Music. Es war wunderbar!

Bücher
How to be a Woman von Caitlin Moran war das erste Buch auf Papier seit 2 1/2 Jahren. Kurzkritik: Ja.

Die Nebenbei-Erkenntnis gewonnen, dass es in England offenbar immer noch an institutionalisierter Aufklärung mangelt, deren Fehlen wohl auch für die im europäischen Vergleich hohen Raten an Teenager-Schwangerschaften und Abtreibungen verantwortlich ist. So viel Kummer und Leid. Wie unnötig.

Wann ist denn das alles passiert? Keine Ahnung, gerade eben?

Der Tumblr war mir irgendwann zuviel, die gekürzte Fassung des Techniktagebuchs habe ich jetzt im Browser bei Sobooks gelesen. Es ist schon jetzt keineswegs langweilig und wird immer besser.

A Heroe´s Welcome (die Fortsetzung von My Dear, I wanted to tell You) gehört. Die Romane von Louisa Young geben mir erstmals einen Eindruck davon, warum man diesen Krieg den Großen nannte, bevor er zum Ersten wurde. Welche Verwerfungen und bis dahin unbekannten Verletzungen er nicht nur für die Soldaten an der Front bedeutete, sondern auch für die Zivilbevölkerung. Dabei habe ich viel erfahren über die Anfänge der plastischen Chirurgie und deren Vater Harold Gillies. Wenn Ihr darüber auch nichts weiter wisst, Vorsicht beim Googeln von Gueules cassées.

Film und Fernsehen
Kein Fernsehen geschaut außer dem Polizeiruf aus Rostock, den ich wegen der physischen Intensität so mag: Jedes Schnaufen, jeder Schweißtropfen ist beinahe spürbar, als würde man neben Bukow in dem schaukelnden Wagen sitzen, in den er gerade seinen schweren Körper gewuchtet hat.

You don’t fall in love with someone because they are beautiful. People are lovely, because we love them. Not the other way round. — Cat

The Line of Beauty weggeschaut, eine BBC-Mini-Serie nach dem Bookerprize-Roman von Alan Hollinghurst. Titelgebend sind Hogarth’s theories of visual beauty, aber auch Koks. Die Geschichte des schwulen Studenten Nick, Hausgast bei der Familie eines Tory-Abgeordneten im London der Thatcher-Ära, ist entlarvend für die moralische Verkommenheit und Heuchelei der Klassengesellschaft – in der alles geht, solange nur die Wahrheit nicht ausgesprochen wird – und herzzerreißend für den Außenseiter Nick, der bezahlt für seinen Hang zur Schönheit.

Hilde mit Heike Makatsch gesehen, deren Entwicklung vom Viva-Girlie zur ernsthaften Schauspielerin mir gefällt. Der Höhepunkt des Films war aber seltsam verrutscht: Als ich mich bequemer hinsetzte – jetzt geht´s also los – war das schon die Schlussszene. Es kann an mir liegen, aber vielleicht stimmte die Dramaturgie wirklich nicht. Außerdem waren die Dialoge so deutlich von Frauen und für Frauen geschrieben, dass es mich peinlich berührte:

  • Ich will mit Dir ins Bett gehen, mit Dir aufstehen und wieder mit Dir ins Bett gehen, mit Dir alt werden und mit Dir sterben.

  • Und mit mir zur Hölle fahren?

  • Scheiße, dann kommen wir nicht in den Himmel?


(Urgs.)


The Guest ist ein irre komisches Action-Psycho-Dings mit einem geradezu dreist als Sexsymbol in Szene gesetzten männlichen Hauptdarsteller, dessen Leistung ich auf Twitter als God walking among Ants beschrieben fand. Hell, yeah!

Man weiß ja um die beiden größten Feinde der USA, aber bei so vielen Toten frage ich mich doch, für wen in meiner amerikanischen Version wohl die Nippel-Szene herausgeschnitten wurde?!

Und dann war da plötzlich Citizenfour im Netz. Ich hätte gern für den Film bezahlt, hatte aber keine Lust, an einem Sonntagmorgen in ein Kino am anderen Ende der Stadt zu fahren. Es ist ja nicht so, dass die Fakten nicht alle bekannt gewesen wären, aber weil mich Heldentum und die Frage nach Vorbildern bisher immer so ratlos machen – Edward Snowdens Opfer und seine Haltung, that ordinary citizens, working together, can change the world sind die Antwort auf alles. 42.

Ich bin sehr gerührt. Und sehr, sehr wütend.

Mein Techniktagebuch
Erst war ich ein bisschen pissig mit Audible – warum kein mp3? Aber diese App gefällt mir wirklich gut, die Möglichkeit, kurz ein paar Sekunden vor oder zurück zu springen, das Tempo zu verringern oder bei nur langsam zum Thema kommenden Sachbüchern zu erhöhen. Die Synchronisation funktioniert über meine diversen Geräte ruckelfrei, und ja, ich halte funktionierende Technik für durchaus erwähnenswert.

Arbeit
Wir haben das Projekt bereits in der Planungsphase runtergebrochen auf das wirklich absolut Notwendige und sind – wie geplant – Wochen vor Abgabe fertig. Wie so richtige Profis!

Und sonst?
Fußball ist zurück in Dortmund und hat seinen romantischen Moment mit Reus. Awww!

Bahnticket für die #rp15 besorgt. Dabei fiel mir ein, dass ich im letzten Jahr das Quietschen der Klotür aufgenommen habe. Vorfreude.



Seit langer Zeit mal wieder bis morgens um halb fünf getanzt und mir bei irgendeinem crazy Move die Schulter gezerrt. Das fühlt sich verdammt gut an!

Ich habe in Eulen-Bettwäsche geschlafen.

Januar

Are you sitting comfortably? Then I´ll begin.

Das Jahr begann mit großen Platten Roastbeef, zwischen denen sich einige Leute versammelt hatten, um noch einmal diese Tore zu sehen, jedes einzelne noch einmal verblüfft zu bestaunen und später mit Mertesacker in die Eistonne zu steigen. Ja, natürlich war der DFB-Film nicht wirklich gut. Aber das ahnten wir doch und wer wird denn kleinlich sein, wo wir doch Weltmeister sind, noch mindestens drei Jahre lang? Ja, kneift Euch, wirklich!

Bücher
Ich hab recht wenig gelesen im Januar, nur Der erste Sohn von Philipp Meyer und danach auf Empfehlung einer Freundin Johann Holtrop angefangen. Erst war ich ganz amüsiert von dieser wütenden Darstellung der selbstverliebten Middelhoffschen Abgefucktheit, aber irgendwie hab ich ein bisschen die Lust verloren. Das lag vor allem an

Film und Fernsehen
Diese Tage zwischen Weihnachten und Neujahr schienen mir endlich der richtige Zeitpunkt für Downton Abbey zu sein. Ich habe es über Amazon Prime Video auf deutsch gesehen und war sofort verliebt in das Setting, die Charaktere, die witzigen Dialoge und das sich durch alle Ebenen ziehende Motiv der Veränderung. Die Liebesgeschichte zwischen Matthew und Mary ist sicher eine der rührendsten, die ich kenne.

(Ich verkneife mir unter Schmerzen Spoiler für die Glücklichen, die das noch vor sich haben.)

Danach habe ich einige Szenen auf englisch gesehen und gemerkt, was ich verpasst habe: Da ist einmal die Sprache, die soviel feiner und präziser ist. Ich könnte mich ewig darüber auslassen und in geradezu lächerliche Schwärmerei verfallen, aber hier soll ein winziges Beispiel genügen: Wieviel wundervoller ist denn Are you a creature of duty verglichen mit Sind Sie ein pflichtbewusster Mensch?! Ich habe mir sofort alle fünf Staffeln nochmal auf englisch angesehen.

Die meisten Charaktere in der deutschen Synchronisation sind ganz gut getroffen, vor allem Mary, gesprochen von Anne Helm. Ausgerechnet aber die Stimme von Dan Stevens’ Matthew ist zu hoch, sehr flach, ohne Modulation. Ihr fehlen sämtliche Akzentuierungen und Rauheiten, die sie im Original so hinreißend macht. Kostproben gibt es auf Youtube, wo er Auszüge aus einigen Klassikern liest:Playlist Dan Stevens Reading

Als Vielleserin, die Theater nicht so recht etwas abgewinnen kann, hat es mich geradezu umgehauen, wie anders es sich anfühlt, ein Buch nicht nur einfach vorgelesen zu bekommen, wieviel tiefer ich darin bin und wieviel mehr mir im Gedächtnis bleibt. Und dann diese Spielfreude an doing silly accents and many sometimes ridiculous roles you’d never ever get to play.

I´m blown away.

Dan Stevens hat ein paar Dutzend Bücher gesprochen und ich nun ein Audible-Abo. Derzeit höre ich My Dear, I wanted to tell you.

Arbeit
Diesen Monat hatten wir unseren freien kreativen Tag und anders als die Backend-Kollegen hatte ich überhaupt keine Lust, ein weiteres neues Framework auszuprobieren und so habe ich mich den UX-lern angeschlossen, unser Produkt einfach mal völlig neu und jenseits der Machbarkeit zu denken – einzig mit Papier und Stift. Direkt ein bisschen befreiend, aus dem Entwickler-Alltag des "Ja gut, aber wie setzen wir das um?" auszusteigen.

Privat eine lang herumliegende Sache fertiggestellt, two to come.

Und sonst?
Diese Erleichterung, Weihnachten und Silvester überlebt zu haben.

Yoga probiert. Niemand könnte überraschter sein als ich, mich sagen zu hören: Also, das ist mir zu wenig Bewegung!

Viel Zeit drinnen verbracht, viel telefoniert.

Neues Jahr. Alles neu.

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