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Die kleine Porzellandose

Solange ich denken kann, steht auf der Anrichte im Eßzimmer meiner Großeltern eine Porzellandose in Nierenform mit Golddekor.

Bei jedem Besuch führt mich mein erster Weg dorthin, ich nehme den Deckel ab und finde Erdnüsse, Gummibärchen oder ein paar feine Pralinen, manchmal ist nichts darin. Früher saß Opa auf dem Sofa, lachte hinter seiner Zeitung erst verschmitzt und dann laut über meine nur halb gespielte Empörung. Oft steht Oma in der Tür, meist ein Geschirrtuch über dem Arm und beginnt sofort in Schränken zu wühlen, und den Inhalt knisternder Tüten dorthin zu füllen, wo er hingehört.

Als ich das letzte Mal da war, lagen ein paar Bonbons in der Dose, mit schon leicht matschiger Oberfläche klebten sie aneinander. Eine Weile stand ich da, den Deckel noch in der Hand, es war ganz still, die Wanduhr nicht aufgezogen.

Ich hab unsere Dose mitgenommen, Omi, und werde dafür sorgen, daß sie niemals leer wird.