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»RT @horsthundbrodt: die teilnehmer der nachtwanderung "schattenreich internet" treffen sich um 23 uhr mit hello-kitty-taschenlampen am eing?«

Ja, Spiegel-Bashing ist so einfach

wie Claudia Roth zu dissen, aber ich darf mich auch immer wieder bestätigt sehen: Heute ein Artikel über sogenannte Bio-Äpfel aus China, deren Ökobilanz also echt nur so ein ganz kleines bißchen mies ist und die freudige Feststellung, daß Obst aus biologischem Anbau doch vielleicht gar nicht so viel gesünder ist als das aus konventionellem, naja jedenfalls, wenn man die Pestizidbelastung unberücksichtigt läßt. Und im Unberücksichtigtlassen ist der Spiegel ja ganz groß.

Beim Spiegel wird immer gern mit unterstellten Argumenten gearbeitet: Kritiker eines ausschweifenden Kapitalismus wollen diesen angeblich per Lichterkette abschaffen, Bioobst-Esser tun das, weil der Apfel gesünder ist. So wird denn auch gleich vermutet, daß Biofreunde die oben erwähnten Befunde für "ernüchternd" halten müßten. Diese oft falschen Argumente werden dann im Artikel widerlegt und für ideologisch verblendet, mindestens aber einfältig gehalten. Natürlich darf die Unterstellung nicht fehlen, nie würden diese Leute auf irgendwas verzichten, wenn es an ihren eigenen Wohlstand ginge. Haha erwischt, Globalisierungs"gegner" essen bei Mc Donalds. Das ist so langweilig und absehbar, so wenig erhellend, da gibt es keine wirkliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen, aber stets den Beweis der angenommenen Gegenthese zum angeblichen Mainstream. Ach, diese hämische Aufgeregtheit ermüdet mich so.

Dabei kaufe ich Bio-Erzeugnisse gar nicht in erster Linie, weil sie besser schmecken, also um mir etwas Gutes zu tun, sondern weil ich das Gefühl habe, das Richtige zu tun, nach meiner Überzeugung zu handeln: Eine natürlichere Form der Landwirtschaft unterstütze, die ohne chemische Zusätze auskommt, Böden und Grundwasser nicht belastet und weil ich die Lebensmittelindustrie, die in Laboren künstliches Erdbeeraroma erzeugt und den Rohstoff Butter durch Buttergeschmack ersetzt, für ebenso pervers halte wie Patente und Lizenzzahlungen für genmanipuliertes Saatgut und Knebelverträge auf die dazu passenden chemischen Kampfstoffe gegen Ungeziefer. Weniger hedonistische Motive also, mehr die grundsätzliche Einstellung, daß nicht alles, was möglich ist, gemacht, nicht alles, was man rauspressen kann auch erzielt werden muß. Dafür zahle ich mehr.

Meistens jedenfalls, manchmal kaufe ich ein billiges Stück Pute, aber nie rühre ich Eier aus Käfighaltung an. Weil ich H-Milch lieber mag als frische (ja eklig, ich weiß) ist es eben auch oft die vom Discounter, aber niemals kaufe ich Müllermilch-Produkte oder irgendwas bei Lidl oder Schlecker. Ich laufe in Nikes, liebe wie die meisten Frauen H&M und besorge Coca Cola für den Liebsten, obwohl ich globale Ketten, die billig einkaufen, ihre Markenartikel aber teuer absetzen, eigentlich nicht unterstützen will. Eine Inkonsequenz, die man sich geifernd von sogenannten aufgeklärten Marktteilnehmern vorwerfen lassen muß, die Atomstrom super weil billig finden und Vegetariern süffisant das Tragen von Lederschuhen vorwerfen.

Etwas zu tun ist besser als gar nichts zu tun. Jeder findet da seine eigene Balance und offenbar handeln viele Leute so, wenn man die enorm gestiegene Nachfrage nach Bio-Produkten sieht. Genau diese bezeichnet der Spiegel als "Schattenseite". Vollkommen idiotisch aus meiner Sicht, denn ich bin eben nicht nur daran interessiert, immer den niedrigsten Preis zu zahlen, sondern will ja, daß eines sehr schönen Tages ökologische Landwirschaft die Regel und nicht die Ausnahme darstellt. Die hohe Nachfrage wird sich ihr Angebot schaffen, davon bin ich überzeugt.